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Angegrabbelt | Profoto B1 500 AirTTL im Test

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Jun 17 2014

Fotografen sind wie kleine Kinder! Man freut sich Wochen und Monate auf neue Hardware, hat schlaflose Nächte in der Erwartung des UPS- oder DHL-Boten und würde am liebsten alles stehen und liegen lassen, um Neuerwerbungen auszuprobieren, sobald man sie in der Hand hält…   Diese Euphorie verfliegt aber in der Regel so schnell, wie der Neuwagengeruch nach dem ersten McDrive Besuch und man fängt an, nach links und rechts zu schielen, wie das eigene Kind auf den Lutscher vom Balg nebenan. Und wer Kinder hat, weiß, wie schwer es ist, Ihnen etwas auszureden, sobald der Gedanke, es haben zu wollen, sich in Ihrem Kopf festgesetzt hat. Da all diese tollen Spielzeuge aber nicht wie im Kindesalter durch Hundeblick oder stundenlanges Schreien, sondern meistens nur im Tausch gegen schwer verdientes Geld zu haben sind, will jede Anschaffung gut überlegt sein. Und besonders, wenn man sich in einem Bereich wie der Fotografie erst einmal fest gebissen hat, steigen die eigenen Ansprüche so unweigerlich, wie der Pegel von Rhein und Elbe nach der Schneeschmelze im Frühjahr.

Als ich vor knapp zwei Jahren angefangen habe, meine Fahrzeugfotos mit Blitzen auszuleuchten, reichten ein Systemblitz + kleine Softbox, um zumindest irgendwie Licht auf ein Auto zu bringen. Aber ganz ehrlich… schön is das nicht! So schaffte ich Anfang 2013 einen Jinbei DC-1200 an, um mobil und auch bei Tageslicht mit genug Power unterwegs zu sein. Und das Ding hat seitdem auch einen echt guten Job gemacht. Aber irgendwann sind es Kleinigkeiten, die einen in der täglichen Arbeit nerven und als die schwedische Firma Profoto Ende letzten Jahres ankündigte, einen Blitz auf den Markt zu bringen, welcher die Vorteile von Systemblitz und Porty vereinigen sollte, hätte ich mir vor Freude ja fast in die Hose gemacht.

Genug Leistung, zugleich kompakt und das ganze OHNE KABEL?!? Für jemanden, der bei Shootings mit dem Blitz permanent um sein Motiv herumläuft (oder laufen lässt), ist das fast zu schön, um wahr zu sein. Der von Profoto angesetzte Preis von knapp 1500€ (netto) ist auf jeden Fall sportlich…  aber auch gerechtfertigt? Schliesslich bekommt man dafür auch schon eine gute Vollformat DSLR, wie die Canon 6D.

Nach einem sehr informativen Telefonat mit der Firma Profoto, reservierte ich also ein Testgerät bei der Firma IPS in Hamburg. Nach einer kurzen Fachsimpelei während der Abholung packte mir der Verkäufer noch einen Satz Graufilter ein, um die fehlenden HighspeedSync Fähigkeiten des B1 500 AirTTL auszugleichen. Aber dazu kommen wir später!

Der Profoto B1 500 AirTTL wurde von IPS nicht in der Standardausführung mit glatter Streuscheibe geliefert, sondern war mit einem runden gefrosteten Schutzglas (199€) ausgerüstet. Laut Aussage des Verkäufers eine reine Sicherheitsmaßnahme, welche sich aber auch positiv auf den Leuchtwinkel auswirkt. Für Nutzer sehr breiter Softboxen und Striplights könnte das durchaus von Vorteil sein, da die Ausleuchtung etwas besser ist. Einen Vergleich zur normalen Steuscheibe muss ich an dieser Stelle erst einmal schuldig bleiben. Des weiteren bekam ich einen 2. Akku (gehört nicht zum Lieferumfang), ein Ladekabel und den Standard-Zoom-Reflektor mit auf den Weg.

Profoto B1

So hielt ich das gute Stück nun also in den Händen und war erst einmal positiv überrascht, denn alles in allem kam das Paket in einer sehr kompakten Tasche daher, welche noch hervorragend Platz im Kofferraum des Nissan 370Z fand, der für die nächsten Tage unser Modell sein sollte. Pluspunkt #1!

Profoto B1 Tasche

Auf der Rückseite des Profoto B1 500 AirTTL gibt es keine Überraschungen. Ein/Aus-Schalter, Knöpfe für die Auswahl der Gruppe und das Einstell-Licht, welches seinen Namen auch wirklich verdient und ein Drehregler für die Leistung stellen keine wirkliche Herausforderung dar.

Ptofoto B1 Test #5

Aufgrund des guten Wetters erfolgte der erste Test direkt ein paar Stunden später im Hamburger Süden, wo wir den 370Z in Erwartung des Sonnenunterganges im Gegenlicht vor der Hafenskyline platzierten. Königsdisziplin!

Nachdem der Blitz ausgepackt war, ging alles recht schnell. Einschalten, auf der von IPS mitgelieferten AirRemote TTL den Modus M wählen (auf die Fähigkeit, auch mit TTL shooten zu können, kommen wir später zu sprechen) und….  ARGH! Bei Iso100 und Blende 5,6 lagen mal mal eben Belichtungszeiten von 1/1000 sek und kürzer an, was die Blitzsynchronzeit der 5Dmk3 erstmal übersteigt. Mangels HSS schraubte ich also zusätzlich zum Polfilter den sicherheitshalber mitgenommenen 3-Blenden-Graufilter und landete so bei brauchbaren 1/180 sek, was noch anderthalb Blenden unter der Optimalbelichtung lag. Ich belichte Bilder, bei welchen das Fahrzeug angeblitzt wird meistens gezielt ein bis zwei Blenden unter, um störende Reflektionen des Umlichts zusätzlich zum Polfilter zu minimieren und um das Fahrzeug auch Lichttechnisch vom Hintergrund abzuheben. Mit halber Leistung (Stufe 9 von 10) waren so ziemlich schnell die ersten Bilder im Kasten und wir konnten den Weg für ein paar drängelnde LKW-Fahrer freimachen, welche an gleicher Stelle Ihre Trucks zur Nachtruhe betten wollten. Die schnelle Einsatzbereitschaft des Profoto kam uns in dem Moment und auch im weiteren Verlauf des Wochenendes sehr entgegen, da das komplette Auf- und Abbauen im Gegensatz zur Jinbei-Anlage auf das auspacken und einschalten beschränkt… Pluspunkt #2!

Nissan 370Z Nismo Profoto B1

In den kommenden 4 Tagen schossen wir so an verschiedenen Locations Fotos, wobei der Zoomreflektor sich als ziemlich geniale Erfindung herausstellte. Er erlaubt einen Leuchtwinkel zwischen 35° und 105°, wodurch er sowohl zum flächigen Ausleuchten, als auch zum betonen von Kanten taugt. Auf den Einsatz einer Softbox habe ich an dem Wochenende bewusst verzichtet, da ich mittlerweile ein Freund von hartem und punktuellem Licht geworden bin.

Profoto B1 Zoomreflektor

Bei den Nachtaufnahmen mit unserem Model, dem metallic-weißen Nissan 370Z Nismo, fiel mir das mattierte Schutzglas sofort auf, welches nicht nur den Leuchtwinkel ein wenig erhöht, sondern auch ohne Softbox ein wunderbar weiches Licht ohne harte Reflektionen des Leuchtmittels zaubert. Pluspunkt #3!

Nissan 370Z Profoto B1

Da wir die meiste Zeit zu zweit unterwegs waren, kam die Möglichkeit der AirRemote TTL, die Leistung auch von der Kamera aus zu regulieren nicht wirklich oft zum Einsatz, aber für den Fall der Fälle ist diese Option auf jeden Fall Ihr Geld wert. Im von uns eingesetzten manuellen Modus erfolgt die Korrektur der Leistung in zehntel Blenden zur am Blitz eingestellten Leistung. Die Erhöhung um eine ganze Stufe entspricht dabei einer Verdoppelung der Leistung. Kleiner Wehrmutstropfen: Nach dem Einschalten der Fernbedienung ist sofort die TTL Messung aktiv, welche den Blitz auf die vermeintlich richtige Leistung einstellt. Dadurch muss nach dem Aus- und wieder Einschalten der Fernbedienung der Blitz erst einmal wieder auf die gewünschte Stufe eingestellt werden. Über die Möglichkeit den manuellen Modus als Defaultwert zu setzen, habe ich im Manual leider nichts gefunden. Die Reichweite und Zuverlässigkeit der Profoto Funklösung ist auf jedenfalls über jeden Zweifel erhaben. Funkstörungen, wie bei den von mir eingesetzten Yongnuo-Auslösern traten weder auf kurze, noch auf längere Distanzen auf. So ließen sich auch Objekte in ein bis zweihundert Metern Entfernung noch problemlos ausleuchte.

Profoto B1 AirRemote TTL #3

AirRemote TTL #1

Beispiele:

Profoto B1 Test #4 Profoto B1 Test #3 Profoto B1 Test #2 Profoto B1 Test #1

Fazit:

Und was ist nun mit dem anfänglich angesprochenen Haben-Will-Faktor? Er ist gross…  unheimlich groß! Denn gerade die auffällige Unauffälligkeit und Zuverlässigkeit, mit der der Blitz seine Arbeit verrichtet ist es, welche bei jedem Foto die Begehrlichkeit weckt, sich nicht wieder mit Kabeln, streikenden Funkauslösern und zu engen Kofferräumen herumärgern zu müssen. Es ist wie mit Kameras…  Eine teure Kamera macht nicht zwingend bessere Bilder, aber als Werkzeug in den richtigen Händen macht sie dem Fotografen das Arbeiten an vielen Stellen einfacher. Wie viel einem diese kleinen Vorteile wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der Profoto 500 AirTTL wird über kurz oder lang aber auf jedem Fall auf meinem Einkaufszettel stehen!

Links:

IPS Hamburg

Profoto Germany

 Preise:

Profoto B1 500 AirTTL – 1779,- €

Profoto Air Remote TTL-C (für Canon) – 351,- €

Profoto Li-Ion Akku für Profoto B1 – 225,- €

 

  1. Pixelmixer 

    Sehr geehrter Herr Steffan Bischoff,

    habe gerade bemerkt, dass Sie einen solchen Bericht schon verfasst haben.
    Somit erübrigt sich meine Bitte.

    Nochmals Danke für Ihre Hilfe mir bei meiner Etscheidung des richtigen Blitzsystems beigestanden zu haben.

    Um es kurz zu halten: “…auch haben will…”!

    LG
    Pixelmixer

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