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Nachts im Museum

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Feb 12 2015

Davon, sich nachts in einem Einkaufszentrum, einem Freizeitpark oder einem Museum einschließen zu lassen, hat als Kind wohl jeder mal geträumt. Und auch aus fotografischer Sicht flammt dieser Wunsch ab und zu wieder auf, denn schließlich bieten sich ausserhalb der Öffnungszeiten schon durch den fehlenden Publikumsverkehr ganz andere Möglichkeiten. Nachdem ich die ersten beiden Punkte letztes Jahr in einem Kaufhaus in Berlin und im Europapark schon abgehakt hatte, zögerte ich auch nicht lange, als der Erfinder des Automobils dazu einlud, im hauseigenen Museum die Nacht zum Tag zu machen. Und das auch noch auf eine Art und Weise, die in den meisten Museen ausdrücklich verboten ist…  Fotografierend!

Mit Schlafsack, Isomatte und Fotoequipment ausgerüstet, ging es also nach Stuttgart, wo beim Erreichen des Mercedes-Benz Museums schnell klar war, dass es wohl nicht zum alleinigen Treffen mit einem wiedererwachten Gottlieb Daimler kommen würde, da außer uns noch 30 bis 40 andere Fotografen und Blogger darauf warteten, die geschichtsträchtigen Hallen zu stürmen. Bevor es los ging, bot sich so also direkt noch die Möglichkeit, den einen oder anderen Kollegen persönlich kennen zulernen.

Die ausführliche Führung zu Beginn der Veranstaltung, führte in Form einer Zeitreise vom automobilen Urknall über die ersten Silberpfeile bis hin zu Prototypen und Technologieträgern durch das Gebäude und verschaffte so gleichzeitig einen groben Überblick über das, was uns in den kommenden Stunden erwarteten sollte. Fest ins Auge gefasst hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon das 300 SLR Coupé und das darauf basierende Uhlenhaut Coupé, welches für mich nicht nur das schönste Fahrzeug der Sammlung, sondern zugleich auch das teuerste Auto der Welt ist. Da die beiden einzigen, je gebauten Fahrzeuge sich im Besitz von Mercedes-Benz befinden und wohl auch niemals verkauft werden, bleibt mir an dieser Stelle nur, auf den von einigen Auktionshäusern geschätzten Wert von 50 bis 60 Millionen € pro Fahrzeug hinzuweisen. Wow…

Galerie – Mercedes-Benz 300SL

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Während die meisten Fotografen sich zu Beginn der Veranstaltung ausgiebig den vorm Museum abgestellten Stargästen SLR Sterling Moss und G63 6×6 widmeten, beließ ich es an dieser Stelle bei einigen Schnappschüssen startete meine Tour in den noch beleuchteten Mythosräumen. Da das Gros der anderen Fotografen mit Video-Leuchten und Neonröhren ausgerüstet war, lag die Vermutung nahe, dass es dort nach der angekündigten Abschaltung des Lichts, relativ voll werden würde. Wer schon einmal versucht hat, in einem Museum zu Fotografieren, kennt die Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Den Vorteil, diesmal freien Zugang zu den Objekten zu haben, hatte ich schon mal auf meiner Seite… Blieb noch das Manko, der für den Besucher wirklich gut gemachten, für kreative Fotos aber eher hinderlichen Museumsbeleuchtung.

Zur Erklärung: Um das störende Umgebungslicht zu minimieren gibt es 3 Möglichkeiten:

– Blende schliessen
– Iso runter
– Kürzere Belichtungszeit

Die ersten beiden Möglichkeiten fallen bei der Nutzung von Blitzen weg, da man mit jeder Blende auch das Blitzlicht um genau diesen Wert reduziert. Im Klartext heisst das: Von 500Ws bleiben bei einer Verkleinerung der Blende von 5,6 auf 11 noch 125ws über. Um das Kunstlicht im Museum auf ein Minimum zu reduzieren, reicht das aber bei weitem nicht aus. An dieser Stelle schlug die Stunde des Profoto B1, welcher mit der HSS-Option, die Möglichkeit bietet, völlig frei vom Umgebungslicht zu arbeiten und somit ganz eigene Szenarien zu schaffen. Ein dazukommender Blogger fasste das ganze nach einem Blick aufs Display mit den Worten “Wir brauchen diesen Blitz! Damit sieht alles ganz anders aus!” zusammen!

Anbei 2 Vergleiche zwischen normalem Umgebungslicht bei 0.5s / F8 und Blitzlicht bei 1/200s / F8.

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So arbeiteten wir uns, unterbrochen von dem einen oder anderen Snack, durch die verschiedenen Mythosräume, bis gegen 1 Uhr nachts dann schließlich das Licht ausgeschaltet und die heiße… sorry…  dunkle Phase eingeläutet wurde! In der Rennkurve, welcher einer Steilkurve nachempfunden ist, herrschte hektische Betriebsamkeit. So dauerte es eine Weile, bis ich einen Platz am bzw neben dem feuchten Motorsport-Traum meiner Jugend ergattern konnte… Dem Sauber C9! Hätte man nicht eine Kletterausrüstung benötigt, um auf Augenhöhe mit dem V8-Turbo-Monster zu kommen, hätte ich später wohl auch meinen Schlafsack auf dem riesigen Heckflügel ausgebreitet und dort die Nacht verbracht. Da dies und das Turnen zwischen den Fahrzeugen in der Steilkurve aber ausdrücklich unerwünscht war, ergötzte ich mich noch ein wenig an den anderen Rennfahrzeugen und machte mich gegen 4 Uhr auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz…  Irgendwie forderten das frühe Aufstehen, 600km Anfahrt und 8 Stunden Shooting dann doch Ihren Tribut.

Weitere Infos: http://www.automuseum-stuttgart.de/

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